ZIELE

Längerfristig ist ein langjähriges Ausgrabungsprojekt auf dem Gerçin Höyük, geplant. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat bereits 2016 Mittel zur Initiierung dieses Projekt bewilligt.

Für 2017 ist ein archäologischer Survey geplant, um das Ausmaß der Siedlungsaktivitäten und die Siedlungsperioden am Gerçin Höyük durch das Auflesen von Oberflächenfunden (insbesondere Keramik) abschätzen zu können. Der Survey wird sich über beide Hügelkuppen sowie einen Radius von 1 km um den Gerçin Höyük erstrecken. Ein Survey in der weiteren Umgebung ist nicht notwendig, da sich dort im Altertum ein weitläufiges Sumpfland befand und keine archäologischen Oberflächenfunde zu erwarten sind. Im Rahmen des Surveys sollen zudem die aktuelle Situation der Raubgrabungen überprüft werden. Durch das Putzen der Profile in den Raubgrabungslöchern könnten wichtige Einsichten in den Erhaltungszustand der antiken Bauwerke und ihre Stratigraphie gewonnen werden. Außerdem wird eine vollständige Vermessung des Gerçin Höyük durchzuführen sein, um einen aktuellen topographischen Plan zur Dokumentation der archäologischen Funde und Befunde zu erstellen.

Nach Abschluss des Surveys werden zukünftige Ausgrabungen und interdisziplinäre Forschungen versuchen, folgende Fragen zu beantworten:
  • Welche Funktion hat der Fundort gehabt? War dieser ausschließlich als Kultzentrum und Nekropole genutzt, wie durch die Inschriften bezeugt?
  • Wann datiert die erste Nutzung? In welchem soziopolitischen Kontext wurde eine Siedlung und/oder Heiligtum auf diesem Fels gegründet? Ist diese auf die hethitische Besetzung dieses Bereiches oder eine noch ältere Periode zurückzuführen?
  • Welche Baustadien sind für den an dieser Stelle zu vermutenden Tempel nachweisbar? Welche Auskünfte kann dieses Bauwerk über das insgesamt sehr dürftige Wissen eisenzeitlicher Sakralarchitektur im nordsyrisch-südostanatolischen Raum erteilen? Wie lässt es sich typologisch im regionalen und überregionalen Vergleich einordnen?
  • Wie war die königliche Nekropole gebaut? Waren Bestattungen wirklich vorhanden? Und wenn ja, nach welcher Tradition? Waren diese direkt verbunden mit Gebäuden?
  • Welche Bestattungsrituale sind archäologisch nachweisbar? Auf welche Bestattungstradition sind diese zurückzuführen?
  • Welche Auskünfte erteilt der anthropologische Befund? Geben Isotopenanalysen an Knochen- und Zahnrückständen, auch im Vergleich zu den Tierknochenfunden, die Möglichkeit, der für diesen Raum und diese Zeit noch sehr unzureichend erforschten Migration von Mensch und Tier nachzugehen? Die schwierige Befundlage bei den wenigen bekannten und überwiegend schlecht dokumentierten Brandbestattungen der Eisenzeit im syro-anatolischen Raum ist bekannt. Gerade hier bietet die textlich bezeugte Nekropole auf dem Gerçin Höyük bei etwas Fundglück die außergewöhnliche Gelegenheit, eine wichtige Forschungslücke zu schließen.
  • Wie sieht die domestizierte Fauna und Botanik an einem vermutlich im Wesentlichen für religiös-rituelle Handlungen genutzten Ort aus? Welche Rückschlüsse erlaubt sie auf ein mögliches gemeinschaftliches Essverhalten, Opferhandlungen, Speicheraktivitäten etc.?
  • Handelt es sich bei der Konzeption der Anlagen auf dem Gerçin Höyük um einen Modellfall, der auch auf andere Orte der späthethitisch-aramäischen Staatenwelt zu übertragen ist und der möglicherweise seinen Nachhall in späteren Sakralanlagen wie dem Bestattungsheiligtum auf Nemrud Dağ oder dem Jupiter Dolichenus Heiligtum auf dem Dülük Baba Tepesi findet?
  • Wie sieht die spätere Nutzung des Ortes aus? Lassen sich vergleichbar zu Sam’al Aktivitäten der Assyrer nachweisen? Was hat es mit der durch Keramikfunde bezeugten hellenistischen Präsenz an diesem Platz auf sich? Welche Bedeutung hat der Ort möglicherweise im kulturellen Übergang von Eisenzeit zur Frühantike im syro-anatolischen Raum.

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